Positionspapier zum ÖGB-Vortrag in Wien

Vorwort

Im Rahmen der Ausbildung basales und mittleres Pflegemanagement an der Altenbetreuungsschule des Landes Oberösterreich ist die Arbeit mit dem Titel:

Konzept zur Definition von derzeitigen und zukünftigen Anforderungen einer Leitung des Betreuungs- und Pflegedienstes in OÖ Langzeitpflege- und Betreuungseinrichtungen

entstanden. Sie soll ein Konzept darstellen dass die Aufgaben von Leitern der  mit der Pflege und Betreuung beauftragten Personen in OÖ Langzeitbereichen aufzeigt und Richtlinien zu deren Durchführung bietet. Es soll aber auch beschreiben, welchen Anforderungen sich eine Pflegedienstleitung derzeit und zukünftig stellen muss und was es zur Bewältigung dieser bereits gibt, bzw. was es noch braucht.

Das Projekt wurde gemeinsam von allen Teilnehmern der Ausbildung in Kleingruppen erarbeitet. Aufgebaut wurde das Projekt auf die im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz §26(2) definierten Aufgabengebiete einer Pflegedienstleitung die wie folgt lauten:

 

  • Überwachung, Sicherung und Verbesserung der Pflegequalität und Pflegeorganisation
  • Führung und Einsatz des Personals im Pflegebereich
  • Organisation der Sachmittel und Überwachung des Sachmitteleinsatzes im Pflegebereich und
  • Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, Organisationseinheiten und Berufsgruppen.
    (vgl. Gesundheits- und Krankenpflegegesetz §26(2), 2013)

Zu den gesetzlich geforderten Tätigkeiten und Anforderungen haben wir uns die IST Situation in unseren Häusern angeschaut und den Soll Zustand aus den von uns erwünschten und größtenteils gesetzlichen Anforderungen durch Literaturrecherche und Erfahrungen erarbeitet.

 

Problemstellung

In Non Profit Organisationen erhöhen sich die ökonomischen, technologischen, politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Anforderungen immer rascher. Die Erwartungshaltung der Kunden und die Qualitätsanforderungen sind gestiegen. Mit den gesetzlichen Pflichten denen wir gerecht werden müssen, steigen auch die Kontrollen. Durch die Verbesserung der medizinischen Versorgung steigt die Lebenserwartung und mit ihr auch die Zahl der alten pflegebedürftigen Menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können. Mit den veränderten Krankheitsbildern steigt somit auch der Pflegeaufwand.

Dazu gesellt sich das Problem des sich zuspitzenden Personalmangels. Nicht mehr die Pflegekräfte sind es,  die sich bei Einrichtungen bewerben. Es sind die Einrichtungen, die sich heute um die wenigen qualifizierten Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt überzeugend bemühen müssen.

Die Anforderungen an das Führungsmanagement – sprich Heim- und Pflegedienstleitung werden immer komplexer.

Das Wissen um rechtliche Anforderungen, Optimierungsprozesse, Standarddefinitionen, Einführung von Qualitätsmanagementsystemen, unternehmerisch strategisches Denken und Handeln, Mitarbeiterführung auf neuer Ebene, u.v.m.  gehört bereits zum Alltag des Managements um ein Haus erfolgreich und nachhaltig zu leiten. Im Vordergrund sollte dabei das Wohl der Bewohner stehen. Beim sogenannten Benchmarking der Träger stellt sich für uns Pflegedienstleiter häufig die Frage, was denn die gewünschte  Ergebnisqualität wirklich ist? Dazu kommt, dass die Anforderungen schon allein in OÖ von Träger zu Träger sehr verschieden sind.

Die Aufgaben einer Pflegedienstleitung sind also sehr vielfältig und um diese gut erfüllen zu können braucht es neben verschiedensten Kompetenzen Rahmenbedingungen, die den derzeitigen und zukünftigen Anforderungen entsprechen.

Die Bezahlung von leitenden Funktionen im Langzeitpflegebereich entspricht schon lange nicht mehr den gestiegenen Anforderungen. Dies zeigt sich  dadurch, dass viele Bezirke bereits enorme Schwierigkeiten haben, geeignete Pflegedienstleitungen zu finden. Die hohe Fluktation von PDL’s in OÖ ist ein weiterer Hinweis, dass Arbeitsbelastung und Verantwortung nicht im Verhältnis zur Bezahlung stehen. Ebenso zeigen Vergleiche mit der Wirtschaft die deutliche Unterbewertung.

Viele Pflegedienstleitungen sind nach wie vor im Pflegeschlüssel eingerechnet, obwohl sie in der direkten Pflege keine Tätigkeiten mehr übernehmen, da sie, wie oben beschrieben mit Führungs- und Qualitätssicherungsaufgaben voll ausgelastet sind. Der Pflegeschlüssel, der seit 1996 nicht mehr angepasst wurde und ebenfalls nicht mehr den Anforderungen der Zeit entspricht ist ein weiteres großes Problem. Durch die mangelnde Berücksichtigung der dementen verhaltensauffälligen Personen bei den Pflegestufen hat sich die Lage zusätzlich verschlechtert. Fortbildungen, Krankenstände wie auch Kuraufenthalte und Urlaube finden im Mindestpersonalschlüssel keine Berücksichtigung. Bei einer genauen Erfüllung des MPS liegt man somit permanent unter dem  Personalschlüssel. In Zeiten wo psychosoziale Gesundheit am Arbeitsplatz ein wichtiges Schlagwort ist und Studien vor den zukünftigen Kosten von Burn out Erkrankungen und Frühpensionierungen bereits warnen, ist es dringend geboten hier einmal genauer hinzuschauen.

 

Zielsetzung

Die Punkte die wir in unserer Arbeit beschrieben haben sollen einen Einblick in unser Leistungsfeld geben und notwendige Angleichungen aufzeigen. Es ist uns aber auch ein großes Anliegen generell auf die Arbeit mit alten und hilfsbedürftigen Menschen hinzuweisen, auf deren Bedeutung und Stellenwert in unserer „humanen und zivilen“ Gesellschaft. Wir vertreten dabei die Meinung, dass sich eine Gesellschaft auch darin definiert, wie sie mit ihren „alten Mitmenschen“ umgeht. Unsere Leitsätze, Pflege- und Qualitätsstandards müssen dem Wohl des Bewohners und der Stärkung der Mitarbeiter dienen  und nicht nur leere Floskeln sein.

Wir möchten die verantwortlichen Personen darauf aufmerksam machen, dass in der Pflege im Langzeitbereich ein dringender Handlungsbedarf besteht, um langfristig qualitative Pflege und Betreuung leisten zu können.

 

Zusammenfassung – wichtiger Forderungen

Bezahlung von Pflegedienstleitungen:

Die Pflegedienstleitung managt die Langzeitpflegeeinrichtungen in den operativen Kernprozessen, die fachliche Verantwortung liegt in vollem Umfang bei ihnen. Die Bezahlung ist nicht mehr zeitgemäß.

Eine den neuen Gegebenheiten angepasste Bezahlung von Mitarbeitern in Führungspositionen

Herausnahme der PDL in der Berechnung des Mindestpersonalschlüssels bei der Personalbedarfsberechnung:

Um ihren Führungsaufgaben in vollem Umfang nachkommen zu können, sollten die Leiter der mit der Pflege- und Betreuung beauftragten Personen in der Berechnung des MPS nicht einfließen.

Jede Leitung eines Betreuungs- und Pflegedienstes ab einer Mitarbeiterzahl von 30 Personaleinheiten darf im Personalschlüssel keine Berechnung finden.

Wohngruppenleitungen müssen zu 30 bis 50% herausgerechnet sein

Anpassung des Mindestpersonalschlüssels:

Wir stellen die Forderung, den MPS aufgrund der gestiegenen Anforderungen an das Pflegepersonal um fünf Prozent anzuheben. Krankenstände, Fortbildungen und Urlaube müssen berücksichtigt werden und der MPS muss nach dem Abzug deren Berechnung erfüllt sein. Langzeitkrankenstände müssen ersetzt werden können.

Anpassung des Mindestpersonalschlüssels:

Abschließend sei nochmals erwähnt, dass es nicht darum geht jemanden anzuprangern, schlecht zu reden und Unsummen an Geld zu fordern. Uns allen ist bewusst, dass es wichtig ist mit den vorhandenen Mitteln sorgfältig und sparsam umzugehen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen möchten wir einen Weg finden der die Lebensqualität der Bewohner nicht einschränkt und die Arbeit der Mitarbeiter hebt und wertschätzt.  Wir hoffen, dass unsere Arbeit den Grundstein dafür legen kann und sie Anregungen für eventuelle Weiterführungen bietet.

 

Andrea Antensteiner, BMPM 6