5 Punkteprogramm der ÖGB/ARGE-FGV

Die ÖGB/ARGE-Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe fordert, in den Bereichen Gesundheit und Soziales eine Kompetenzverschiebung zwischen Bund und Länder. In Zukunft sollen diese beiden, für unsere Bevölkerung, so wichtigen Bereiche vom Bund geregelt werden.

 

1. Ausbildungsreform

Medizinische Assistenzberufe (MAB)
Bei der zukünftgen Umsetzung müssen Härtefälle, besonders für die ehemaligen dipl. med.-techn. Fachkräfte, verhindert werden.

 

Gesundheitsberufe mit Fachhochschulausbildung an Ausbildungszentren
Die gegenwärtigen Variationen der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung bestehen einerseits aus einer dreijährigen Ausbildung an einer gesundheits- und Krankenpflegeschule mit Diplomabschluss und andererseits aus einer sechssemestriger Ausbildung an einer Fachhochschule mit Bachelorsabschluss.
Gleichzeitig wird seitens der Politik, Dienstgebern und anderer Gruppierungen auch eine Lehrausbildung als dritte Möglichkeit gefordert. Diese Variante wird von der ÖGB/ARGE - Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe als ungeeignet angesehen.

Die Ausbildung für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege muss grundsätzlich bei den Krankenpflegeschulen der Länder verbleiben und diese sind mit dem Bakkalaureat auszustatten. Die Umwandlung der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen in Fachhochschulen begründet sich durch die hohe Anzahl an benötigten diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, welche an den bestehenden Fachhochschulen nicht ausreichend ausgebildet werden können. Die Zugangsbestimmungen müssen neben Maturanten auch Personen ermöglicht werden, welche durch ein Maturaäquivalent  ihre Eignung für diesen Beruf beweisen.
Für Absolventen der geltenden Rechtsnorm muss ein Upgrading dh. eine verkürzte wissenschaftlich theoretische Ausbildung ermöglicht werden, um das Bakkalaureat zu erreichen.  

 

Verpflichtende Ausbildungen für alle Führungskräfte in den Gesundheits- und Sozialberufen

 

 

2. Gesetze

Einbindung der Gesundheitsberufe auf Trägerebene, sowie in Bundes- und Landesgesundheitsbehörden
Die Weiterentwicklung in den Gesundheitsberufen, die Spezialisierungen und das Ansteigen der Altenbetreuung, machen die kompetente Mitsprache von fachkundigen Personen aus den Gesundheitsberufen auf allen Ebenen der Entscheidungsträger notwendig. Das Basiswissen im erlernten Beruf und die erworbenen Erfahrungen darin befähigen dazu, weitere Entwicklungen im Gesundheitswesen zu initiieren und weiterzutragen. Es ist vermessen, wenn fremde Berufsgruppen über den Kopf und das Wissen der Sachkompetenten hinweg Entscheidungen treffen, für die sie nicht ausgebildet sind.
Im Sinne der Betroffenen (Patienten und Pflegepersonen) sind daher Gutachten im Sinne des ASVG oder des Bundespflegegeldgesetzes über die Pflegebedürftigkeit, sowie weitreichende Personalplanungen hinsichtlich des quantitativen und qualitativen Einsatzes aus fachlichen und auch ökonomischen Gründen ohne die Mitsprache der gehobenen Gesundheits- und Krankenpflege nicht sinnvoll. Was in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern langjährige Praxis und selbstverständliche Abwicklung ist, könnte auch von einem Lande wie Österreich genutzt werden.
Die Übernahme von Verantwortung nach außen entspricht der getragenen Verantwortung dieser Berufsgruppen, seit es Krankenpflege gibt. Auch die Qualitätskontrolle für den Gesundheitsbereich kann nur selbst gesteuert und verantwortet werden.
Ebenso sind die vielfältigen Aufgaben der Gesundheitsprophylaxe in Zusammenarbeit wahrzunehmen.

Novellierungen

  • GuKG in Arbeit
  • Med. Masseur und Heilmasseur in Arbeit

Förderung und Anerkennung der freiberuflichen Berufsausübung für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege und für den gehobenen med. techn. Dienst
Im ASVG müssen die notwendigen Bestimmungen zur Verrechnung der freiberuflichen Tätigkeiten für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege mit den Krankenkassen auf Basis eines Verordnungsscheines verankert werden.Ebenso muss für den Bereich des Med. techn. Dienstes die Möglichkeit deren Leistungen der Verrechnung über Verordnungsschein entsprechend ausgeweitet werden.Die Anerkennung der freiberuflichen Tätigkeit der gehobenen Dienste im Rahmen einer vertraglichen Verrechnungsmöglichkeit mit den Sozialversicherungsträgern bietet nicht nur ein gutes arbeitsmarktpolitisches Steuerungsinstrument, sondern vor allem ein hohes Sparpotential und eine Verbesserung im Bereich der Hauskrankenpflege und Therapie. Viele Leistungen sind mit dieser Maßnahme aus dem Akutbereich auslagerbar.

 

Sozialbetreuungsberufegesetz muss Bundesgesetz werden

 

 

3. Arbeitnehmerschutz und soziale Komponenten

Aufnahme von Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates in die Liste der Berufskrankheiten
In verschiedenen Umfragen in den Gesundheitsberufen geben 70-90% der befragten Beschwerden im Wirbelsäulenbereich an.Besonders dort wo technische Hilfsmittel nicht eingesetzt werden können. Die Anerkennung der Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates von Gesundheitsberufen ist eine dringende sozialpolitische Forderung im Sinne der Betroffenen.

 

Berufschutz für die Pflegehilfe, Altenhilfe, Sozialfachbetreuer und den Sanitätshilfsdiensten
Alle Sparten der angeführten Berufsgruppen haben eine derart spezialisierte Tätigkeit auszuüben, dass von „angelernt sein“ keine Rede sein kann.Aufgrund der gesundheitlichen Gefahren, denen diese Mitarbeiter ausgesetzt sind, ist es sozialpolitisch sehr bedenklich und ungerecht ihnen keinen Berufschutz zuzuerkennen.

 

Nachtschwerarbeitergesetz (NSCHG) Ausweitung des Anwendungsgebietes
Arbeitsmedizinische Untersuchungen haben die negativen gesundheitlichen Auswirkungen der Nachtarbeit bestätigt. Derzeit sind nicht alle Gesundheitsberufe, die Nachtarbeit tätigen im NSCH erfasst. Dieses Ungleichgewicht muss beseitigt werden.
Die ÖGB/ARGE-Fachgruppenvereinigung fordert daher die Aufnahme aller Gesundheitsberufe in das Nachtschwerarbeitergesetz.

 

Gesundheitsfördernde Maßnahmen
Es ist wissenschaftlich belegt wie wichtig und effizient gesundheitsfördernde Maßnehmen für die Arbeitnehmer sind. Darauf muss in Zukunft vermehrt Augenmerk gelegt werden.
Es wird daher gefordert:
Gesundheitsfördernde Maßnahmen sind auch im Rahmen der Qualitätssicherung keine unbedeutende Größe.
Rechtsanspruch von gesundheitsfördernden Maßnahmen in allen hiefür relevanten Gesetzen.

 

Umsetzung des AschG – Ausbildung des Fachpersonals
Neben dem Betriebsarzt ist ausschließlich als „Arbeitsmedizinische AssistenInnen“ Fachpersonal aus den Gesundheitsberufen  (Dipl. Ges.- und Krankenpflege, MTF und MTD) auszubilden.
Gesetzliche Bestimmungen hiefür sind zu erlassen.Gleichzeitig ist es unbedingt notwendig Arbeitspsychologen und Arbeitspsychologinnen einzusetzen.

 

Verbindliche Personalstandards und Personalermittlungsmethoden
Auf Grund des neuen Spitalfinanzierungsmodells LKF (höherer Arbeitsaufwand durch mehr Aufnahmen und kürzere Verweildauer) und um adäquate medizinisch-pflegerische Betreuung und Behandlung der Patienten, sowie auch die Gesundheit und das soziale Umfeld des Krankenpflegepersonals zu sichern, ist ein einheitliches und zeitgemäßes Personalbedarfsmodell notwendig.
Die Anwendung dieses Berechnungsmodells müsste im Rahmen eines Grundsatzgesetzes in ganz Österreich verpflichtend sein. 

 

Einführung einer selbstverantworteten Diensteinteilung
Die Arbeitszeiten in der Pflege werden durchgehend als Problem gesehen. Sei dies nun, dass sie junge Menschen abschrecken einen Pflegeberuf zu ergreifen, oder in bezug auf die gesundheitliche Belastung sowie die daraus resultierende hohe Fluktuation. Der Ansatzpunkt liegt in individuellen, lokalen und selbstverantworteten Diensteinteilungen, in denen auch die Interessen von Minderheiten (z.B. ältere ArbeitnehmerInnen) durch eine starke Führung ausreichend geschützt werden. Steigt die Zufriedenheit mit den Arbeitszeiten, wirkt sich das positiv auf die Verweildauer im Beruf aus.
In bezug auf Arbeitszeitregelungen sind mehrere Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Einerseits soll die Arbeitszeit so gestaltet sein, dass sie eine regelmäßige physische Regeneration und Freizeitgestaltung ermöglicht. Andererseits sind wesentliche psychosoziale Faktoren wie Familienbetreuungspflichten zu berücksichtigen. Arbeitszeiten sollen flexibel darauf Rücksicht nehmen, die Flexibilität darf aber nicht zu lasten der Pflegekräfte gehen.

 

Verminderung der berufsfremden Tätigkeiten
Kritisch gesehen wird sowohl der hohe Anteil berufsfremder Tätigkeiten (speziell hauswirtschaftliche Tätigkeiten), der von den qualifizierten Pflegekräften geleistet wird um die Bedürfnisse der Patienten zu befriedigen, wenn die eigentlich zuständigen Hilfsdienste oder ExpertInnen nicht erreichbar sind. Ähnliches gilt für den bürokratischen Aufwand - hier wird im speziellen allerdings auch die von den Pflegeeliten selbst forcierte Pflegedokumentation und –planung angesprochen.
Vielfach wird die Schreibtischarbeit, weil patientenfern entgegen den Ursprungsintentionen der Berufswahl erlebt. Kritisiert daran wird auch, dass bei ohnehin zu wenig Personal, das vorhandene wenigstens direkt mit den Patienten arbeiten sollte. Zum Teil wird der bürokratische Aufwand auch unter einem Kontrollaspekt gesehen, der den persönlichen Gestaltungsspielraum einschränkt.
Unter den Belastungsfaktoren wird die Durchführung berufsfremder Tätigkeiten beschrieben. In bezug auf z.B. Reinigungsarbeiten, die in Zeiten, wo die Reinigungsfirmen nicht präsent sind, und das heißt vor allem im Nachtdienst von Pflegekräften durchgeführt werden, kann die Lösung nur in einer Ausweitung bzw. Verlagerung der Anwesenheitszeiten von Reinigungskräften auf rund um die Uhr liegen. Weiters ist organisatorisch darauf zu achten, dass Hilfspersonal und ExpertInnen möglichst effizient eingesetzt werden. Für delegierbare schriftliche und administrative Aufgaben ist der Einsatz von StationssekretärInnen sinnvoll.

 

Förderung des zweiten Bildungsweges

 

Motivation durch Mitarbeiterorientierung
Genereller Ansatzpunkt zur Verbesserung der Situation in der Pflege ist eine Verbesserung der konkreten Arbeitssituation des Pflegepersonals und hier geht es vornehmlich darum, wie die jeweilige Organisation, in der Pflegepersonal beschäftigt ist, mit diesem umgeht. Ein Leitprinzip können die aus dem Qualitätsmanagement bekannten Kriterien zur MitarbeiterInnenorientierung sein. Diese haben zwar grundsätzlich zum Ziel, die Geschäftsfähigkeit (Effektivität, Effizienz) der Organisation zu verbessern, aber enthalten auch den Aspekt, das Potential der MitarbeiterInnen nicht nur auszunützen (zu verbrauchen), sondern auch zu pflegen – d.h. zu erhalten bzw. sogar zu vermehren.Eine derartige Mitarbeiterorientierung ist nicht nur aus Organisationsperspektive rational, sondern der Gesetzgeber in Österreich schreibt diese mehrfach zumindest in der Minimalvariante einer „Fürsorgepflicht“ des Dienstgebers fest.

 

Aufgabenorientierte Ausbildung der Führungskräfte

 

Erhöhung der Eigenverantwortung in der Organisation
Die Tätigkeit in der Pflege kann auf vielen Ebenen außerordentlich belastend sein – sie kann aber aufgrund der hohen individuellen Bedeutung von Krankenbehandlung und Pflege für die Patienten und ihre Familien auch sehr befriedigend sein. Damit diese Befriedigung aber auch erlebt werden kann, ist es notwendig, dass eine Organisationskultur entwickelt wird, in der die MitarbeiterInnen auch weitgehend selbstbestimmt professionell handeln können – damit sie die Leistung auch als ihre Leistung erleben können. Das bedeutet aber auch mehr Verantwortung und muss abgestützt sein – z.B. durch die Führung, durch gegenseitige Unterstützung in einem gut funktionierenden Team, durch klare Rollenbeschreibungen und mehr


Teilzeitarbeit in Kranken- und Pflegeeinrichtungen
Frauen mit Kleinkindern bzw. schulpflichtigen Kindern haben sehr oft aus Grün­den der Versorgung bzw. Aufsicht der Kinder nur die Möglichkeit, eine Teilzeitbe­schäftigung anzunehmen. Über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus haben sie sich um familiäre Verpflichtungen zu kümmern. Sehr oft werden aber diese Teilzeit­kräfte ohne Rücksicht auf die familiäre Situation zu Mehrdienstleistungen heran­gezogen.
 
Kinderbetreuungseinrichtungen mit bedarfsorientierten Öffnungszeiten
Auf Grund der vorgegebenen Arbeitszeit im Gesundheitsbereich werden viele KollegInnen vor unlösbare Probleme gestellt, die ordnungsgemäße Unterbringung ihrer Kinder zu regeln. Wir stellen deshalb den Antrag, verstärkt auf die jeweiligen Träger einzuwirken, die Installierung von Krippen, Kindergärten und Horte zu planen und einzurichten.


4. Registrierung von Personen mit einer Ausbildung in Gesundheitsberufen

Einbindung der ÖGB/ARGE-FGV in die Durchführung der Registrierung
Bei der Durchführung der Registrierung durch die Arbeiterkammer muss es zu einer deutlichen Positionierung seitens der FGV und den Gewerkschaften kommen um maßgeblich in den Vorgang der Registrierung eingebunden zu werden.

 

5.Optimierung des extramuralen Pflegebereichs

Verbindlichen Standards sowie Koordination der extramuralen Pflege durch Einrichtung von Gesundheits- und Sozialsprengel
Derzeit arbeiten in der extramuralen Betreuung mehrere Vereine in unterschiedli­chen Bezirken und Bereichen Österreichs. Die Koordination mit den Krankenanstalten, Pflegeheimen und niedergelassenen Ärzten lässt zu wün­schen übrig. Den Betreuenden der Vereine werden zu wenig Zeiten für administra­ti­ve, koordinierende und beratende Tätigkeiten vergütet. Die betroffenen Pflege­personen müssen koordinierende Aufgaben oder Schreibarbeiten daher meist in ihrer, ohnehin karg bemessenen, Freizeit durchführen.
Weiters sind Pflegedienstleitungen oft nur für wenige Stunden in den Vereinen angestellt und die Planung der Pflege und die Pflegedokumentation ist äußerst dürftig.
Es fehlt eindeutig an verbindlichen Standards, welche die Qualität der Pflege wirklich sichern. Gesetzliche Normen für die Hauskrankenpflege fehlen weit­ge­hend.

Einstufung und Kontrolle im Zusammenhang mit der Gewährung von Pflegegeld durch sie Gesundheits- und Krankenpflegeperson als Sachverständiger
Nach der Erreichung in die Einbindung Pflegegeldeinstufung ab Stufe 4 muss es nun Ziel sein auch in die Stufen 1-3 eingebunden zu werden.

 

24 Stunden - Betreuung
Die 24-Stunden-Betreuung wird überwiegend auf selbstständiger Basis ausgeübt, obwohl zumeist eine persönliche und wirtschaftliche Abhängigkeit der BetreuerInnen und damit Scheinselbstständigkeit vorliegt. Es werden somit arbeits- und sozialrechtliche Regelungen umgangen.
Ein Verbot der 24-Stunden-Betreuung auf selbstständiger Basis wird angestrebt. Gemeinnützige Träger sollen als Vertragspartner der Beschäftigten auftreten, um die Einhaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sicherzustellen, und um die Haushalte von der Arbeitgeberrolle zu entlasten.

 

Ausbildung für 24 Std. Betreuung und Pflege
Das Krankenanstaltengesetz verpflichtet die Träger von Krankenanstalten, die "Voraussetzungen für interne Maßnahmen der Qualitätssicherung zu schaffen. Diese Maßnahmen haben die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität zu umfassen", um die Leistung für den Patienten und seine Zufriedenheit zu heben.
Die Strukturqualität wird im wesentlichen auch von den personellen Ressourcen bestimmt.
Die Prozess- und Ergebnisqualität erfordert fachlich kompetente Personen des Krankenhausbereiches, die aufgrund ihrer einschlägigen beruflichen Erfahrungen zu einer Qualitätssicherung und/oder Qualitätsverbesserung beitragen können. Um diese patientenorientierte Qualitätssicherung zu gewährleisten dürfen nur ausgebildete Kräfte an unseren PatientInnen tätig werden.