Zellhofer zu Anschober: „Danke für den konstruktiven Dialog!“

Zellhofer zu Anschober: „Danke für den konstruktiven Dialog!“
Zellhofer zu Anschober: „Danke für den konstruktiven Dialog!“

ÖGB/ARGE- FGV bedauert Rücktritt des Gesundheitsministers

„Mit Bedauern haben wir heute den Rücktritt des Bundesministers für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz Rudolf Anschober zur Kenntnis genommen“, sagt Josef Zellhofer, Vorsitzender der ÖGB/ARGE- Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe. „Wir möchten uns für den konstruktiven Dialog, ganz besonders in der Taskforce Pflege und motiv.allianz.pflege, bedanken! Bundesminister Anschober hat immer sehr großes Verständnis für die Sorgen und Nöte der Beschäftigten in den Gesundheits- und Sozialberufen bewiesen. Wir danken für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft!“

 

Studientag 2021: Pflege in Bewegung 11.Mai 2021

Studientag 2021- Digitalisierung Schatten und Chancen
Studientag 2021- Digitalisierung Schatten und Chancen

Digitalisierung Schatten und Chancen

Steigende Anforderungen, demografische Entwicklungen, zunehmender Personalmangel: viele sehen Digitalisierung als Wundermittel zur Lösung aller offenen Fragen. Die heurige Tagung beleuchtet die Chancen und Grenzen der Digitalisierung im Gesundheits- und Sozialbereich aus unterschiedlichen
Perspektiven.

11.05.2021 Programm

  • 13:30 Begrüßung durch Dr. Johann Kalliauer (AK Präsident OÖ)
  • Neue Technologien in Pflege und Versorgung. Einfluss. Wirkung. Veränderung - Prof.in Dr.in Anne Meißner
    Leitung des Clusters Pflege und Versorgungsorganisation, Universität Hildesheim
  • Digitalisierung in der Langzeitpflege – ein Praxisbericht(auch vor dem Hintergrund der Pandemie) - Mag. Simon Bluma, MSc, MBA, Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser Bereichsleiter Häuser und Digitalisierung
  • Pflegeroboter – Arbeit im rechtsfreien Raum?- Univ.-Prof. Mag. Dr. Elias Felten, Bakk. phil.,Johannes Kepler Universität Linz, Institut für Arbeitsrecht und Sozialrecht
  • Paro, Pepper & Co: Wie moderne Technik die Arbeitswelt Pflege verändert? MMag.a Heidemarie Staflinger, Arbeiterkammer Oberösterreich, Abteilung Arbeitsbedingungen

Ende voraussichtlich 17:00 Uhr 

Weitere Informationen zu den Vorträgen finden Sie auf der Webseite der AK OÖ hier

ANMELDESCHLUSS: 04.05.2021
Anmeldung per E-Mail: arbeitsbedingungen@akooe.at (Spätestens am Tag vor der Online-Tagung erhalten Sie von der AK einen Zugangslink per E-Mail, mit dem Sie sich einloggen können. Kamera und Mikrofon werden nicht zwingend benötigt.)

KEIN PROFIT DURCH DIE PANDEMIE- Gesundheit vor Kapital!

Nein zu Impfstoffnationalismus, keine Profite aus der Krise!
Nein zu Impfstoffnationalismus, keine Profite aus der Krise!

Wir nutzen den 7. April 2021, den Weltgesundheitstag, einmal mehr um zu sagen: KEIN PROFIT DURCH DIE PANDEMIE!

Das Gesundheitspersonal hat unermüdlich gearbeitet, um sicherzustellen, dass wir diese Krise überwinden. Beschäftigte haben gefährliche Bedingungen ertragen, oft mit langen Arbeitszeiten, wenig oder gar keinem Urlaub und ohne angemessene persönliche Schutzausrüstung (PSA). Dies hat weltweit zum unnötigen Tod von Tausenden von ArbeitnehmerInnen geführt, die aufgrund mangelnder Sicherheit mit ihrem Leben bezahlt haben.

Öffentliche Gelder haben den Weg für wissenschaftliche Entwicklungen geebnet, um das Virus zu besiegen - doch nun bedrohen Eigentumsrechte von Unternehmen den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten und Geräten und setzen Millionen von Leben aufs Spiel.

Deshalb fordern viele Regierungen - unterstützt von Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft -, dass die WTO die Bestimmungen über geistige Eigentumsrechte für Impfstoffe, wichtige Medikamente und medizinische Hilfsmittel aufhebt: private Gewinne dürfen nicht über die öffentliche Gesundheit gestellt werden.

Es darf nicht sein, dass Pharmakonzerne von der Pandemie profitieren, indem sie ihre Monopolmacht durchsetzen, während alle anderen Anstrengungen und Opfer gebracht haben, um die Krise zu bewältigen.

Es braucht einen universellen Zugang zu Covid-19 Impfstoffen und somit ein zeitlich begrenztes Aussetzen der Patentregeln der WTO.

Weiterlesen: 

Offener Brief des ÖGBs und der Arbeiterkammer an BM Dr. Margarete Schramböck 

Erklärung der PSI (Internationale der Öffentlichen Dienste) zu Universellem Zugang zu Covid-19-Impfstoff

Kampagnen Homepage mit allen Materialien der European Public Service Union (EPSU/EGÖD)

Brief der EPSU: No profit from the Pandemic - Vaccine for all

Public Services International (PSI/IÖD) TRIPS

Online-Briefing

Zellhofer zu Weltgesundheitstag: „Alle Angehörigen der Gesundheits- und Sozialberufe jetzt impfen!“

Zellhofer: "Alle Angehörigen der Gesundheits- und Sozialberufe jetzt impfen!“
Zellhofer: "Alle Angehörigen der Gesundheits- und Sozialberufe jetzt impfen!“

ÖGB/ARGE-Fachgruppevereinigung fordert besseren Zugang zum Impfen für Angehörige von Gesundheits- und Sozialberufen und warnt vor der Gefahr von Krankenhauskeimen

„Ein Skandal,“ so nennt Josef Zellhofer, Vorsitzender der ÖGB/ARGE- Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe (ÖGB/ARGE- FGV) die Tatsache, dass österreichweit immer noch nicht alle Angehörigen der Gesundheits- und Sozialberufe, die Möglichkeit erhalten haben, sich gegen das COVID- Virus impfen zu lassen. „Vor allem da wir wissen, dass wir im Notfall noch ein paar (Intensiv)Betten aufstellen können, aber das dafür nötige Personal, braucht jahrelange Grund- und Spezialausbildungen, bevor es einsatzbereit ist. Umso wichtiger sollte es sein, jene Kolleginnen und Kollegen, die seit über einem Jahr an vorderster Front kämpfen, endlich wirksam davor zu schützen, selbst schwer zu erkranken!“

Krankenhauskeime unterschätzt

„Doch im Kampf gegen die Pandemie dürfen wir auch andere wichtige Themen nicht vergessen. Nosokomiale Infekte töten jedes Jahr 33.000 Menschen allein in Europa. Diese sogenannten ´Krankenhauskeime´ entstehen durch übermäßigen Einsatz von Antibiotika bei Menschen, als auch in der Landwirtschaft, in Kombination mit ungenügender Infektionskontrolle. Am Ende entstehen Keime, die mit Antibiotika nicht mehr behandelbar sind, und leider nur zu oft tödlich sind.

Personalaufstockung auf allen Ebenen

Die Covid-Pandemie hat das Augenmerk der Welt auf Hygiene gelenkt, aber wir dürfen das Ziel, einer Reduktion der nosokomialen Infektionen um 15 Prozent nicht aus den Augen verlieren,“ so Zellhofer, „und das geht nur mit einer massiven Personalaufstockung auf allen Ebenen. Denn ansonsten besteht die Gefahr, dass wir vielleicht schneller als uns lieb ist, in die nächste Pandemie schlittern.“

Tag der Medizinischen Universität Wien - Freitag, 12. März 2021

Der 12. März 1365 gilt als Gründungstag der medizinischen Fakultät der Universität Wien. Anlass genug diesen Tag mit einem sehr interessanten Online- Veranstaltungsprogramm zu begehen:

• Gedenkstunde am Mahnmal gegen das Vergessen (12.03., 12 Uhr)
• Universitätsvorlesung Christoph Huber (12.03., 15:00 Uhr)
• Lebenswege: Heinz Flamm (12.03., 17:00 Uhr)
• Lebenswege: Hildegunde Piza-Katzer (12.03., 17:50 Uhr)
• Clubhouse Talk (12.03., 19:00 Uhr)

Die Veranstaltung findet online statt. Weitere Informationen zu den geplanten Programmpunkten, plus die Anmeldung findet sich hier.

115. Gesundheitspolitischen Forum UPDATE – Impfsituation in Österreich Herausforderungen und Chancen

115. Gesundheitspolitischen Forum UPDATE – Impfsituation in Österreich Herausforderungen und Chancen
115. Gesundheitspolitischen Forum UPDATE – Impfsituation in Österreich Herausforderungen und Chancen

Es diskutieren:

  • Univ. Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Professorin für Vakzinologie und Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien 
  • Mag.pharm. Dr. Andreas Windischbauer, Vorstandsvorsitzender Herba Chemosan Apotheker-AG 
  • SanDir. wHR. Dr. Irmgard Lechner, NÖ Landessanitätsdirektorin und Leiterin der Abteilung Gesundheitswesen im Amt der NÖ Landesregierung

moderiert von: Dr. Jan Oliver Huber, Leiter des Gesundheitspolitischen Forums, Vorstandsmitglied der Karl Landsteiner Gesellschaft

Zeit: Donnerstag, 18. März 2021 von 18.00 bis 20.00 Uhr
Das Gesundheitspolitische Forum wird als WEBINAR aus dem Billrothhaus übertragen.

Sie erhalten den Zugangslink zeitgerecht vor dem Forum. Eine Anmeldung zum Forum unter: office@gesundheitspolitischesforum.at ist daher unbedingt erforderlich

Führung 4.0 – New Work in der Gesundheitsversorgung

Widerspruch oder Chance für die PatientInnenversorgung der Zukunft?
Widerspruch oder Chance für die PatientInnenversorgung der Zukunft?

Widerspruch oder Chance für die PatientInnenversorgung der Zukunft?

Mit der Veranstaltungsreihe „Führung 4.0“ hat sich das Karl Landsteiner Institut für Human Factors & Human Resources im Gesundheitswesen zur Aufgabe gemacht, innovative, aktuelle Themen auf kompakte Weise von unterschiedlichen Aspekten zu beleuchten und Führungskräften und Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen inspirierende Impulse aus der Praxis zu vermitteln.

Thematisch geht es bei dieser Veranstaltung um das Spannungsfeld zwischen veränderten Arbeitszeitmodellen, veränderten Bedürfnissen in der Work-Life-Balance – insbesondere der unterschiedlichen Generationen – und die steigenden Anforderungen an die Organisationen.

Die Teilnahme an dieser Online-Veranstaltung ist kostenfrei, um die Zugangsdaten zu erhalten, ist aber eine Anmeldung bis zum bis 07.03. unter: https://healthcc.at/fuehrung-4-0/ erforderlich. 

Weitere Infos zur Veranstaltung hier (.pdf)

Von Beruf Mensch- Demo 3.3.

Wir demonstrieren am 03. März 2021 für gute und sichere Arbeit. Und Du kannst mit Deiner Forderung mit dabei sein!  Sag uns was Dir wichtig ist und wir bringen Deine Forderung auf die Straße und in die Öffentlichkeit. 

Weitere Informationen hier

Arbeitsbedingungen von Langzeitpflegekräften unter COVID

Die Covid-19-Pandemie hat zwar negative Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, wirkt sich aber besonders auf das Arbeitsumfeld von Pflegekräften und ihre psychische und physische Gesundheit aus.

Diese Studie untersucht die wahrgenommenen Stressoren von Langzeitpflegekräften in österreichischen Pflegeheimen durch semi-strukturierte Interviews während der zweiten Covid-19-Welle im Herbst 2020.

Download hier 

Bericht Taskforce Pflege 2 2021

Demografische wie auch gesellschaftspolitische Entwicklungen führen zu strukturellen Änderungen im Bereich der Langzeitbetreuung und ‐versorgung älterer Menschen. 

Um eine hochwertige Betreuung und Pflege auch in Zukunft zu gewährleisten, wurden im Regierungsprogramm 2020–2024 „Aus Verantwortung für Österreich“ zahlreiche Maßnahmen zur zukünftigen Deckung des Bedarfs aufgegriffen. Um den vielfältigen Herausforderungen gerecht zu werden, ist die Zusammenarbeit vieler verschiedener Stakeholder notwendig.

Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz startet mit der Einrichtung der „Taskforce Pflege“ einen Strategieprozess unter Einbindung der wesentlichen Stakeholder mit der Zielsetzung, das System der Langzeitbetreuung und ‐pflege weiterzuentwickeln und für die Menschen auch in Zukunft bedarfsgerechte Versorgung anzubieten.

Bericht 2 2021 der Taskforce Pflege: Download hier 

COVID als Berufskrankheit

Die Offensive Gesundheit hat sich mit dem Thema "COVID als Berufskrankheit" befasst
Die Offensive Gesundheit hat sich mit dem Thema "COVID als Berufskrankheit" befasst

Infiziert sich ein/eine Arbeitnehmer*in in Ausübung einer versicherten Beschäftigung, muss der Verdacht auf eine Berufskrankheit gemeldet werden. Gem. § 363 Abs. 1 und 2 ASVG ist jeder Verdacht auf eine Berufskrankheit beim Unfallversicherungsträger zu melden. Als Verdachtsfälle auf eine Berufskrankheit durch Infektion mit dem Coronavirus sind jedenfalls Fälle zu melden, in denen ein positiver Labortest auf COVID-19 (SARS-CoV-2) vorliegt und der Verdacht auf einen beruflichen Zusammenhang gegeben ist. Die Beurteilung, ob eine Berufskrankheit vorliegt, obliegt letztendlich dem Unfallversicherungsträger.

In folgenden Bereichen gelten Infektionskrankheiten als Berufskrankheiten:
• Krankenhäuser, Heil- und Pflegeanstalten
• Entbindungsheime und sonstige Anstalten, die Personen zur Kur und Pflege aufnehmen
• Öffentliche Apotheken
• Einrichtungen/Beschäftigungen in der öffentlichen und privaten Fürsorge, in Schulen, Kindergärten und Säuglingskrippen und im Gesundheitsdienst
• Laboratorien für wissenschaftliche/medizinische Untersuchungen und Versuche
• Justizanstalten und Hafträume der Verwaltungsbehörden
• Unternehmen mit vergleichbarer Gefährdung

Ohne Meldung keine Anerkennung! Melden Sie eine mögliche Berufskrankheit sowohl der AUVA als auch Ihrem Dienstgeber!

Ein Formular und alle Adressen zur Meldung an die AUVA finden Sie hier (.pdf)

Weitere Informationen finden Sie bei der AUVA unter

Das dunkle Zeitalter der Krankenpflege

Personalmangel und chronische Überarbeitung gibt es in der Pflege nicht erst seit Corona. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es eigentlich schon immer so war
von Marliese Mendel (zuerst erschienen auf www.oegb.at)

Der Staat ließ sich mit der Regelung zur Ausbildung aber Zeit – solange, bis es in den Jahren 1912 und 1913 die Balkankriege gab. In den Lazaretten kümmerten sich nur freiwillige, unbezahlte und oft ungeschulte Krankenschwestern um die Verwundeten und es war bald klar, dass es ausgebildetes Personal braucht, um die Pflege zu verbessern.

Trotzdem dauerte es noch fast ein Jahr, bis die Verordnung betreffend die berufsmäßige Krankenpflege am 25. Juni 1914 in Kraft trat. Die Verordnung enthielt unter anderem, dass die Schülerinnen Geduld und Aufopferungsbereitschaft zur zweijährigen Ausbildung mitzubringen hätten, und auch das Heiratsverbot blieb bestehen – in Kärnten sogar bis in die 1950er-Jahre.

Krankenschwestern auf Kriegsschauplätzen
Die Verordnung kam zu spät, um für den Ersten Weltkrieg genügend ausgebildete Krankenschwestern zu haben. Der Krieg begann nur knapp ein Monat später, am 28. Juli 1914. Tausende freiwillige, oft ungeschulte Armeeschwestern traten ihren Dienst an: in Kriegskrankenhäusern, in Lazaretten und direkt an der Front. Sie assistierten Ärzten bei Operationen, versorgten Verwundete und spritzten totgeweihten Soldaten Morphium. Die Schwestern arbeiteten inmitten von Kampfhandlungen oft tagelang ohne Schlaf und wochenlang, ohne aus den Kleidern zu kommen – manch eine geriet in Kriegsgefangenschaft.

Für ihren Dienst erhielten sie kein oder nur sehr wenig Entgelt, und als die rund 25.000 Frauen nach Kriegsende zurückkehrten, standen sie vor dem Nichts.

Krankenschwestern in der Ersten Republik
Zeitungsausschnitt Arbeiter-Zeitung 1925Zeitungsausschnitt Arbeiter-Zeitung 1925 Arbeiter-Zeitung
Das Ministerium für soziale Fürsorge versuchte, für die arbeitslosen Armeeschwestern neue Arbeitsplätze zu finden – nämlich dort, „wo sie hingehörten“: in die Land- und Hauswirtschaft und in die Heimarbeit. Auf Druck der 1917 gegründeten Gewerkschaft der geschulten Krankenpflegerinnen unter der Leitung von Lucie Loch gelang es schließlich, dass die Armeeschwestern abgekürzte Ausbildungen zur diplomierten Krankenschwester absolvieren durften.

Auch wenn in der Ersten Republik nun wieder Krankenschwestern ausgebildet wurden, herrschte großer Mangel. Manche Spitäler mussten deshalb Krankensäle schließen. Die nächsten Jahre waren von alten Forderungen geprägt: Diplomkrankenschwestern sollten weiterhin durch Nonnen ersetzt werden und wegen den Sparmaßnahmen kam es schließlich zum Personalabbau sowie zu Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen.

Die gewerkschaftlich organisierten Frauen antworteten mit „Passiver Resistenz” (Dienst nach Vorschrift), Resolutionen und Versammlungen. All dies half aber nichts: Die Arbeitszeit wurde von 48 auf 56 Wochenstunden angehoben, die Nachtschichtzulage gestrichen und der Vierwochenurlaub gekürzt.

Krankenschwestern während des Austro- und Nationalsozialismus
Es kam noch schlimmer. Nach den Februarkämpfen 1934 verboten die Austrofaschisten die freien Gewerkschaften – darunter auch Lochs Fachorganisation – und alle, die in Krankenpflegeschulen lernen wollten, mussten Mitglied in der faschistischen Partei „Vaterländische Front“ sein.

Nach dem sogenannten Anschluss im März 1938 wurden wieder mehr Schulen eröffnet. Das NS-Regime hatte errechnet, dass in Österreich 70.000 PflegerInnen fehlten. Diese sollten nun nach deren menschenverachtenden Ideologie ausgebildet werden. Juden und Jüdinnen waren ob der Rassengesetze von der Ausbildung ausgeschlossen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden wieder Krankenschwestern an die Front geschickt. Sie beteiligten sich aber auch an der „Vernichtung unwerten Lebens“ (behinderte Menschen), arbeiteten in Konzentrationslagern und assistierten bei Zwangssterilisierungen (rund 400.000 allein in Österreich und Deutschland) sowie Zwangsabtreibungen von „erbkranken“ Babys.

Personalmangel in der Zweiten Republik
Frauen warten in einem Krankenhaus, Quelle: ÖGB-BildarchivWarteraum im Krankenhaus, Quelle: ÖGB-Bildarchiv Kammler
Im Jahr 1948 wurde die Nachfolgerin von Lochs Gewerkschaft gegründet, die bis heute existierende ARGE FGV für Gesundheits- und Sozialberufe, deren VertreterInnen damals wie heute vor großen Herausforderungen standen: Mangel an Pflegepersonal, überlange Arbeitszeiten und Unterbezahlung der Beschäftigten. Erreicht wurden zwar Kollektivvertragsabschlüsse und die Akademisierung des Pflegeberufs, aber spätestens seit der Corona-Pandemie ist klar: Es braucht noch viele weitere Verbesserungen.

Die Gewerkschaftsgründerin Lucie Loch

oegb-historischkrankenschwesternschule-st.pölten-kammler--1960er
Krankenschwestern in Ausbildung, circa 1960

Mitten im Ersten Weltkrieg gründete eine Frau eine Gewerkschaft der Krankenpflegerinnen
von Marliese Mendel (zuerst erschienen auf www.oegb.at)

Viel ist von der Gründerin der Gewerkschaft der Krankenpflegerinnen, Lucie Loch, nicht bekannt. Sie kam am 8. Februar 1881 in Ostpreußen auf die Welt, lebte in Berlin, zog während des Ersten Weltkrieges nach Wien, kämpfte im Widerstand gegen die Austrofaschisten, flüchtete vor den Nationalsozialisten zuerst in die Schweiz, dann nach Frankreich und starb am 13. Dezember 1943 in New York. Die englische Exilzeitung der österreichischen Sozialisten widmete der „bekanntesten weiblichen Gewerkschaftsvertrauenspersonen in Österreich“ einen kurzen Nachruf.

Darin stand zu lesen, dass es ihr gelungen war, die Krankenpflegerinnen beinahe vollständig zu organisieren, dass die Gewerkschaftsmitglieder ihr vertraut und sie verehrt hätten, sie eine willensstarke und unkonventionelle Persönlichkeit gewesen sei.
Dann geriet sie in Vergessenheit, geblieben ist nicht einmal ein Foto – und nur Fragmente ihrer Biografie.

Kopfschussstation
Lucie Loch kam während des Ersten Weltkriegs nach Wien und arbeitete als Pflegerin im Kriegslazarett für Kopfverletzte – der Kopfschussstation – in der Heniksteinvilla im heutigen Bezirk Döbling. Der militärische Spitalskommandant Otto Buchner leitete das Lazarett mit eisernem Drill und Disziplinierungen gegenüber den Pflegerinnen.

Darüber war Loch empört. Sie begann, sich zu wehren und wurde Sprecherin des Personals. Im November 1917 gründete sie mit Kolleginnen eine gewerkschaftliche Organisation, die Fachorganisation der geschulten Krankenpflegerinnen, Fürsorgerinnen und verwandter Berufe. Ihre Ziele waren das Ende der 36-Stunden-Schichten sowie die Normierung der Ausbildung und Gehaltserhöhungen, damit die Pflegerinnen nicht mehr auf die Trinkgelder der Kranken angewiesen waren. Denn von den während des Krieges verliehenen Goldenen Verdienstkreuzen am Bande und den Tapferkeitsmedaillen konnten sich die Frauen nichts kaufen.
Kriegskrankenschwestern
Loch gab im Jahr 1919 ihre Tätigkeit als Krankenpflegerin auf und widmete sich ganz der Gewerkschaftsarbeit. Unmittelbar nach Kriegsende fokussierte sie auf die Versorgung der rund 25.000 Krankenschwestern, Hilfsschwestern und Helferinnen, die während des Kriegs unbezahlt oder für geringe Löhne in Lazaretten an der Front gearbeitet hatten. Sie standen nach ihrer Rückkehr „vom Felde“ vor dem Nichts. Die Monarchie hatte für die Frauen nicht vorgesorgt und die junge Republik war anfangs mehr mit der Versorgung der heimkehrenden Soldaten beschäftigt.

Erste Erfolge
Der erste Durchbruch gelang im März 1918 für diplomierte Krankenschwestern: Verdoppelung des Gehalts und Verbesserungen beim Bezug von Naturalbezügen sowie die Einführung des Zehnstundentags, zwei freie Halbtage pro Woche, Anspruch auf vier Wochen bezahlten Erholungsurlaub sowie volle Verpflegung und kostenlose Arbeitskleidung. Die Unterbringung von diplomierten Krankenschwestern in Schlafsälen wurde verboten und Ober- und Lehrschwestern standen Einzelzimmer zu.
Der zweite Erfolg war die Versorgung der Armeeschwestern. Sie erhielten die Möglichkeit, sich zu diplomierten Krankenschwestern oder in anderen Berufszweigen ausbilden zu lassen. „Kriegsbeschädigte“ erhielten in Ambulatorien kostenlose Behandlung.

Sparmaßnahmen
Im Jahr 1923 legte der Staat ein Sparprogramm vor und dieses enthielt u. a. auch, dass weltliches Pflegepersonal in Krankenhäusern gekündigt werden sollte. Der Grund dafür: Krankenschwestern mussten bezahlt werden, Nonnen arbeiteten hingegen für einen geringen Obolus. Loch kämpfte auf das „Energischste“ dagegen an, dass hunderte geschulte und seit Jahren berufstätige Krankenpflegerinnen abgebaut und durch ungeschulte Nonnen ersetzt werden sollen. Dies sei ein Verbrechen an der Volksgesundheit und für die arbeitslos gewordenen Krankenschwestern bedeute dies das Elend, sagte sie. Zur Hilfe kam ihr der simple Umstand, dass es einfach nicht genügend Nonnen gab und die Krankenschwestern ihre Posten behalten konnten.
Krankenschwester berät junge PatientinKrankenschwester berät junge Patientin
Immer wieder vertrat Loch die Interessen der Krankenschwestern bei Versammlungen, bei stürmischen Debatten um Gehaltserhöhungen, aber auch, als das Dienstrecht verschlechtert werden sollte. Die Lage verschlimmerte sich während der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Im Jahr 1931 erging trotz massiven Widerstands der Frauen eine neue Dienst- und Besoldungsordnung: die Wochenarbeitszeit betrug nun 54 statt bisher 48 Stunden, Ausbildungszeiten wurden nicht mehr an die Pension angerechnet, die Pragmatisierung wurde abgeschafft, der Vierwochenurlaub gekürzt, die Dienstkleider mussten von den Krankenschwestern selbst gekauft und auch gereinigt werden. Statt wie bisher in Einzel- und Doppelbettzimmern sollten die Schwestern in „kasernenartigen Unterkünften“ untergebracht werden. Alle Aktionen gegen die Verschlechterungen endeten mit den Februarkämpfen 1934.

Im Untergrund
Nach den Februarkämpfen 1934 verboten die Austrofaschisten die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und die Freien Gewerkschaften. Lochs offizielle Arbeit als Gewerkschaftssekretärin endete. Sie ging, wie viele ihrer sozialdemokratisch und/oder gewerkschaftlich engagierten Mitstreiterinnen in den Untergrund und sie war Mitglied des zentralen Frauenkomitees der illegalen Gewerkschaften. Ihre Wohnung wurde zum Treffpunkt und Versteck vieler von den Austrofaschisten Verfolgten. So trafen sich etwa Redakteure der nun verbotenen Arbeiter-Zeitung oder die Gründerin des AK-Frauenreferats Käthe Leichter bei ihr.

Nach dem sogenannten „Anschluss“ im März 1938 wollte sie eigentlich im Untergrund weiterarbeiten, aber die Nationalsozialisten suchten sie bereits: die Jüdin, die Gewerkschaftsgründerin. Sie floh zuerst in die Schweiz, dann nach Frankreich und schließlich nach New York – hielt aber immer Kontakt zu österreichischen SozialistInnen und GewerkschafterInnen im Exil.
Am 13. Dezember 1943 starb sie im Alter von nur 62 Jahren in New York. Der Nachruf in der Exilzeitung endete mit dem Satz: Lucie Loch war eine vorbildliche Gewerkschafterin, eine opferbereite und mit der Bewegung tief verbundene Sozialistin, (…) eine in sich geschlossene, kraftvolle Persönlichkeit.

Geblieben ist von Loch, dass aus ihrer 1917 gegründeten Fachorganisation die heute noch aktive ARGE Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe im ÖGB entstanden ist.

Weltweite Befragung von Pflegekräften

Die internationale Vereinigung im Gesundheit- und Sozialbereich UNI GLOBAL SOCIAL erhebt, wie es Pflegekräften an vorderster Front in den Bereichen Alten-/Pflegeheime und ambulante Pflege weltweit geht. Dabei streben wir gemeinsam mit UNI GLOBAL SOCIAL eine repräsentative Anzahl von Antworten von jedem Kontinent an. Die Ergebnisse fließen in unsere Arbeit ein, und wir haben die Möglichkeit, dort wo es den Beschäftigten in diesem Bereich gut geht, nach zu fragen, was gute Arbeitsbedingungen ausmacht.

Bitte beteilige dich an dieser Umfrage und leite diese Umfrage auch an deine KollegInnen im Bereich weiter!
(Bitte entschuldigt die manchmal holprige deutsche Sprache – aber diese Umfrage läuft auf der ganzen Welt und musste in viele Sprachen übersetzt werden.)

Link zur Umfrage: https://unicare2021survey.questionpro.com 

Neue Ausgabe Gesund & Sozial 4 2020

Gesund und Sozial 4 2020 Covid
Gesund und Sozial 4 2020

Warum sind auf den COVID- Stationen so viel Person erforderlich? Diese Frage beantwortet DGKP Sabine Gabath in der Coverstory der aktuellen Ausgabe. 

Weitere Themen sind Nosokomiale Infekte und eine Studie der Arbeiterkammer Oberösterreich, die aufzeigt, dass Frauen sich in systemrelevanten Berufen oft verausgaben: "PflegerInnen in der Krise: Arbeiten am Limit".

Zum Download (.pdf)

Alle Ausgaben von Gesund & Sozial

ACHTUNG: Das Büro der ÖGB/ARGE- FGV ist übersiedelt!

ACHTUNG neue Adresse!
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Unsere neue Adresse lautet Jagdschlossgasse 59, Pavillon 18, 1130 Wien. 

Unsere Telefonnummer 01/53444-39212 bleibt unverändert.