Gesund & Sozial Magazin

Gesund & Sozial

Zeitschrift der ÖGB/ARGE-
Fachgruppenvereinigung
für Gesundheits- und
Sozialberufe

Foto: KAV – Lisa Lux

18.06.11

Pflegeausbildung

Viele Studien zur Motivforschung in der Gesundheits- und Krankenpflege ergeben, dass die Gesundheitsberufe in Österreich als unentbehrlich, verantwortungsvoll und zukunftssicher gelten. Das Ansehen dieser Berufe muss aus zwei Seiten betrachtet werden, erstens aus der Sicht der Patienten und zweitens aus der Sicht der Jugendlichen die auf der Suche nach einer Ausbildung sind.

 

Betrachtet man die Gesundheitsberufe von der Seite der Patienten ist das Ansehen ein sehr hohes, ähnlich dem der Ärzte und Ärztinnen. Bei der Jobsuche besteht weder bei Frauen noch bei Männern ein großer Wunsch einen Pflegeberuf zu erlernen.

Die Gründe sind altbekannt, gesellschaftsfeindliche Arbeitszeiten, berufsfremde Tätigkeiten und viele mehr. Oft wird die Pflegeperson als „Arzthilfe“ und als Bedienstete der Patienten gesehen.

Fakt ist, dass zuwenig Menschen die Pflegeausbildung in Anspruch nehmen und auch der Gehalt ist hier nicht wirklich eine Motivation diese zu wählen. Sobald die Forderungen nach einer angemessenen Entlohnung laut werden wird sofort der Begriff Kostenexplosion in den Mund genommen. Auch die Ausbildungslandschaft im Bereich der Gesundheitsberufe ist schwer durchschaubar und die Ideen Berufe zu schaffen, welche wenig Ausbildungszeit brauchen aber gleichzeitig einen großen Tätigkeitsbereich abdecken sind sehr kreativ. Leidtragende sind leider die Berufskollegen/innen da die Entlohnung von der Ausbildung abhängig ist und nicht vom Aufgabenbereich und auch die Patienten/innen.

Die gegenwärtigen Variationen der gehobenen Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung bestehen einerseits aus einer dreijährigen Ausbildung an einer Gesundheits- und Krankenpflegeschule mit Diplomabschluss und andererseits aus einer sechssemestriger Ausbildung an einer Fachhochschule mit Bachelorsabschluss. Gleichzeitig wird seitens der Politik, Dienstgebern und anderer Gruppierungen auch eine Lehrausbildung als dritte Möglichkeit gefordert. Diese Variante wird von der ÖGB/ARGE - Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe als ungeeignet angesehen.

Eine Lehrausbildung muss aus folgenden Gründen abgelehnt werden, da das europäische Übereinkommen über die theoretische und praktische Ausbildung von diplomierten Pflegepersonen  BGBl 53/1973  gem. Art 5 Abs 2 ratifiziert am 9.2.1973 folgenden Passus enthält: „Im Allgemeinen sollen SchülerInnen mit Kranken und dem Krankenhausbetrieb nicht vor Erreichung eines Alters, das je nach dem Land zwischen 17 und 19 Jahren liegt, in Berührung kommen.“ Diesem Übereinkommen ging eine europaweite Diskussion über die psychische und physische Belastung in der Krankenpflege voraus und in der Folge wurde dieses Übereinkommen 1974 durch VO die Anlage II zur Ausbildung der Krankenpflege, der MTF und SHD  beschlossen.

In diesem europäischen Übereinkommen (BGBl 53/1973) wird auch die Mindeststundenanzahl für die Pflegeausbildung mit 4600 Stunden bestimmt. Diese Voraussetzung auf eine Lehrausbildung umlegt bedeutet, dass 2300 Stunden Theorie erforderlich sind, da die Hälfte der Ausbildung theoretisch erfolgen muss. Bei Lehrausbildungen ist das Verhältnis 4:1, ein Fünftel Theorie und 4 Fünftel Praxis. Da die Lehre von der Praxis dominiert wird, ist eine Lehrausbildung auch aus diesem Grund nicht möglich.

ÖGB/ARGE – Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe:

„Die Ausbildung für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege muss grundsätzlich bei den Krankenpflegeschulen der Länder verbleiben und diese sind mit dem Bakkalaureat auszustatten. Die Umwandlung der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen in Fachhochschulen begründet sich durch die hohe Anzahl an benötigten diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, welche an den bestehenden Fachhochschulen nicht ausreichend ausgebildet werden können. Die Zugangsbestimmungen müssen neben Maturanten auch Personen ermöglicht werden, welche durch ein Maturaäquivalent  ihre Eignung für diesen Beruf beweisen.
Für Absolventen der geltenden Rechtsnorm muss ein Upgrading dh. eine verkürzte wissenschaftlich theoretische Ausbildung ermöglicht werden, um das Bakkalaureat zu erreichen.“

Johann Hable, stellv. Vorsitzender der ÖGB/ARGE-FGV:

„Die ÖGB/ARGE-FGV widmet sich dem Thema Ausbildungsreform Pflegeberufe. Ganz besonders muss es zu einer Aufwertung der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege kommen. Der Pflegedirektor des Landeskrankenhauses Kirchdorf Herr Mag. Horst Konrad, MSc hat eine neue Perspektive für eine dringend notwendige Ausbildungsreform aufgezeigt. Besonders ist zu erwähnen das zwei Schülerinnen des dritten Ausbildungsjahres sich zu dem Thema zu Wort gemeldet haben. Es ist dringend notwendig das wir junge Menschen für den gehobenen Dienst der gesundheits- und Krankenpflege begeistern. Unsere Gegenwart und Zukunft braucht kompetente, junge, motivierte und wertschätzende Bewerberinnen und Bewerber in den Gesundheits- und Sozialberufen.“

Auch die Gedanken von Mag. Horst Konrad, MSC (Pflegedirektor, Krankenhaus Kirchdorf/Kr.) zu einer modernen Berufsausbildung zum gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege zeigen wie vielfältig die Überlegungen zu Reformen in diesem Bereich sind. Auch wenn es viele verschiedene Modelle zu einer Novellierung gibt steht eines fest > es muss Veränderungen geben. Lesen sie nun seine Überlegungen und das Kommentar zweier Schülerinnen.

 

Eine moderne Berufsausbildung für den gehobenen Dienst in der Gesundheits- und Krankenpflege - aus der Sicht eines Pflegedirektors eines Akutkrankenhauses.

Von Mag. Horst Konrad, MSc 


Seit einigen Jahren entstehen im Gesundheits- und Sozialbereich immer neue Ausbildungen. Es wird viel darüber diskutiert welche Qualifikationen und Ausbildungsinhalte wir in den einzelnen Bereichen benötigen. Es werden Hürden eingebaut, wodurch ein modulares Ausbildungssystem nicht mehr funktioniert. Ein gegenseitiges Anrechnen von Inhalten ist nicht mehr so leicht möglich. Jemand der sich in einer „normalen Pflegeausbildung“ befindet kann nach einem Jahr nicht in ein 2in1 Modell oder in eine Ausbildung der sozialen Betreuungsberufe wechseln oder umgekehrt. Auch inhaltlich wird zum Beispiel Hygiene, Sanitätsrecht oder ähnliches nicht in einer anderen Ausbildung als absolviert angerechnet. Dabei wird vergessen, dass sich junge Leute in diesem Ausbildungsdschungel nicht mehr zurechtfinden. Sie wissen nicht welchen Beruf sie eigentlich wählen sollen und gehen dabei dem Gesundheits- und Sozialbereich oft ganz verloren. Denn in diesem Bereich fischen alle in dem Teich, in dem sozial ausgerichtete Jugendliche sich für die Pflege interessieren. Es gibt eine Gruppe von jährlich ca. 80.000 Jugendlichen in Österreich, die in das Erwerbsleben einsteigen. Im Jahr 2015 wird es wahrscheinlich schon nur mehr die Hälfte sein. Demographisch betrachtet wird das in den nächsten Jahren zwar prozentuell gleich bleiben aber absolut immer weniger sein. Wenn ich zehn Prozent annehme, die in den Gesundheits- und Sozialbereich gehen, dann sind das 8.000 Jugendliche jetzt, aber 2015 nur mehr 4.000. Die reellen Zahlen und Prozentsätze weiß ich nicht, aber der Rechenvorgang bleibt derselbe. Was brauchen wir aber wirklich um die Ansprüche der Zukunft gerecht zu werden und Jugendliche für unseren verantwortungsvollen Beruf zu begeistern?

Im Management heißt es charmant KISS. Keep it small and simple . Für mich heißt das, ein für Berufssuchende durchschaubares, modulares und durchlässiges Ausbildungssystem einzuführen. Für den gehobenen Dienst bedeutet das eine Grundausbildung mit der Möglichkeit einer späteren Spezialisierung für einzelne Bereiche bis hin zur Akademisierung. Vielleicht ist es einfacher anhand eines Beispiels eines siebzehn- bis achtzehnjährigen Jugendlichen zu erklären. Nennen wir den oder die Jugendliche René, denn dieser Name ist sowohl weiblich als auch männlich.

René möchte in den Gesundheits- oder Sozialbereich, weiß aber noch nicht so genau, welches das geeignetere System sei. Und so macht René eine generalisierte Grundausbildung und könnte nach dem ersten Modul der Ausbildung als Pflegehilfe tätig sein und erst später oder sofort wieder in das nächste Modul einsteigen. Im zweiten Modul der Ausbildung beschäftigt sich René mit den Grundkenntnissen der akuten und chronischen Erkrankungen sowie mit den alters-, lebensstil- und behinderungsbedingten Einschränkungen. Nach diesem Modul schließt René mit einem Diplom ab und kann in allen Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens als Pflegeperson für gehobenen Dienst arbeiten. Die Kompetenz könnte hier zum gegenwärtigen Diplom etwas eingeschränkt sein. So könnte der mitverantwortliche Bereich wegfallen oder reduziert werden und mehr auf Anordnung durch eine Bakkalaureatspflegeperson geschehen. Dies würde einem Gesundheits- und Krankenpflegediplom mit eingeschränkter Kompetenz entsprechen. Für das dritte Modul benötigt René entweder die Matura oder eine Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren in einem Spezialbereich. In diesem Modul muss sich René schon spezialisieren und wissen, mit welchem Schwerpunkt der Arbeitsinhalt der nächsten Jahre gefüllt werden soll. Die Kompetenz ist hier eine größere als bisher. Der mitverantwortliche Bereich wird nicht nur übernommen, sondern Teile daraus verschieben sich schon in den eigenverantwortlichen Bereich. Möglichkeiten gibt es hier jetzt selbstverständlich viele, denn durch die solide Grundausbildung ist René vielseitig einsetzbar. Lediglich das eigene Talent, die eigene Erfahrung oder die eigenen Fertigkeiten bestimmen über die nächsten Jahre, was nicht heißt, dass man zu einem späteren Zeitpunkt nicht auch noch andere Module absolvieren kann. Die Spezialgebiete können sein: Pflege im Akutkrankenhaus, Pflege in Langzeit- oder mobilen Einrichtungen, Pflege im Behindertenbereich, Pflege in der Kinder – und Jugendheilkunde, Pflege in psychiatrischen Einrichtungen, Pflege im OP-Bereich, Pflege bei Nierenersatztherapie, Anästhesiepflege, Intensivpflege oder Krankenhaushygiene. Mit einem Bakkalaureat aus einem dieser Bereiche kann René nun dort arbeiten oder vielleicht später ein Bakkalaureat in anderen Bereichen absolvieren. Diese Ausbildungen eignen sich sehr gut für die Übernahme des mitverantwortlichen Bereiches. Auch das System des Primary Nursing ist wie geschaffen dafür.

Da René auch die Matura hat, kann sie im vierten Modul noch mit einem Masterabschluss punkten. Lehrerausbildung, Managementausbildung, Advanced Nursing Practice oder Pflegewissenschaft sind da die bevorzugten Gebiete. Hier kann René die Kompetenzen noch erweitern, kann in einem noch größeren Gebiet eigenverantwortlich ohne Arztanordnung arbeiten und ist auch für die Diagnostik einsetzbar. Da könnten andere EU-Länder wegweisend sein, denn dort werden zum Beispiel kardiologische Ambulanzen von Pflegekräften geleitet oder Vorsorgeendoskopien selbstständig durchgeführt. Wenn René will, kann ein fünftes Modul noch angeschlossen werden und die Doktorwürde im vorher abgeschlossenen Masterbereich noch erreicht werden.

René ist eine gut ausgebildete Pflegeperson und freut sich über die Module, die sie absolviert hat. Besonders toll findet sie, dass Prüfungen, die sie schon bei einer Ausbildung positiv abgeschlossen hat, in den anderen Modulen angerechnet werden. Die Dauer der Module insgesamt soll nicht länger sein als bisher. Erstes Modul 2 Semester, zweites Modul 3 Semester, drittes Modul 3 Semester, und viertes Modul 4 Semester.

Wir bieten in Österreich zwar eine gute Ausbildung für Gesundheit und Soziales, doch durch die Auffächerung dieser zwei Systeme wurde es undurchschaubar und zu differenziert. Was wir brauchen ist wieder ein einfaches und durchschaubares System mit dem wir den Nachwuchs begeistern können einen Pflegeberuf zu ergreifen. Kompetenz und Entlohnung auf das Einsatzgebiet abgestimmt sind der Schlüssel zum Erfolg, damit unsere Pflegekräfte, Patienten und Klienten auch in Zukunft auf hochwertige Pflege zählen können. Nämlich Pflege in guten Händen.

 

Meinungen zum Thema

Zwei junge Gesundheits- und Krankenpflegeschülerinnen aus dem dritten Ausbildungsjahr der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Kirchdorf wurden um ihre Meinung zu diesem Artikel gefragt.

Carmen Geisberger:
„Wenn ich mir das so durchlese, dann finde ich drei Punkte als äußerst positiv. Endlich gibt es für die Ausbildungen nur eine Anlaufstelle. Als Schulabgänger ist man zurzeit völlig überfordert an welche Stelle man sich wenden kann und für welchen Zweig man mich entscheiden soll. So kann man nach den ersten Eindrücken und Erfahrungen frei entscheiden, welche Richtung einschlagen werden soll. Denn erst nach einigen Praktika bemerkt man selbst für welche Sparte man sich geeignet fühlt. Das Beste ist, dass man positiv abgelegte Prüfungen nicht wieder absolvieren muss. Nach meiner bisherigen Schulerfahrung im jetzigen System kann ich dem Vorschlag positives abgewinnen.“

 

Barbara Lungenschmied:
„Die Ausbildung nach Modulen anzuordnen finde ich gut. Es gibt einem selbst die Möglichkeit Art und Tempo zu bestimmen. Da ich selbst keine Matura habe finde ich die Idee, mit einer zweijährigen Berufserfahrung das dritte Modul mit Bakkalaureatsabschluss absolvieren zu können, natürlich super. Besonders gut ist, dass die eigene Erfahrung das Berufsleben prägen kann und mir dieses Modulsystem die Möglichkeit bietet, selbst zu entscheiden in wie weit ich meinen Kompetenz- und Verantwortungsbereich erweitern möchte. Erst nach längerer Praxis kann ich selbst herausfinden welcher Zweig mir persönlich liegt.“

 

 

Auch Vorarlberg hat sich überlegt wie man den Mangel an gut ausgebildeten Pflegepersonen entgegenwirken kann. Ob dieses Ausbildungsmodell in ein Schema passt oder nicht ist Landeshauptmann Sausgruber „wurscht“. Leider, so meine ich, nennen auch viele andere Verantwortliche diese Gefühlsregung ihr eigen.

 

 

 

 

Kommentar der ARGE FGV für Gesundheits- und Krankenpflege, Landesvorstand Vorarlberg, Kurt Dietrich, Vorsitzender des Landesvorstandes Vorarlberg 

 

Einleitend zum Projekt möchte ich erwähnen, dass weder die Arbeitsgemeinschaft die Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Krankenpflege noch der Pflegeausschuss der Arbeiterkammer Vorarlberg in die Ausarbeitung dieses Projektes miteinbezogen wurden. Lediglich eine Stellungnahme der Arbeiterkammer Vorarlberg wurde eingeholt, fand aber keine Berücksichtigung. Es ist richtig, dass der Bedarf an sehr gut ausgebildetem Personal in der Pflege steigt und noch weiter steigen wird. Im vorgeschlagenen Ausbildungsmodell – und damit schließe ich mich der Meinung des Pflegeausschusses der AK Vorarlberg an – sehe ich keinen nachhaltigen Einfluß für eine bessere Ausbildung im Bereich des Berufsbildes „Pflegehelfer/in“. Sämtliche Ausbildungen im Bereich Pflege sollten weiterhin im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz und nicht wie vorgeschlagen, über andere Schulgesetze geregelt werden. Im diesem geplanten Projekt mit Wirtschaftskammer, Land Vorarlberg und der Krankenpflegeschule Feldkirch wird die Ausbildung zum Pflegehelfer an die Lehre „Betriebsdienstleistung“ geknüpft. Ein wesentlicher Vorteil von dualen Lehrausbildungen ist das Erlernen von Fähigkeiten des Lehrberufes im beruflichen Umfeld. Bereits jetzt sind durch restriktive Personalbesetzungen zu wenig ausgebildete Mentoren für die Anleitung von Auszubildenden vorhanden. Die zusätzliche Ausbildung  „Betriebsdienstleiter/in“  mit eigenem Lehrabschluß stellt nach meiner Meinung keine zwingende Notwendigkeit dar. Die notwendigen administrativen Tätigkeiten werden auch in der bisherigen Ausbildung als Pflegehelfer/in in ausreichendem Maß erfüllt und reichen aus, um die erforderlichen Aufgaben in diesem Bereich zu erfüllen. Einen besonderen Anreiz, Verwaltungsaufgaben und Pflege in einem Lehrberuf zu vereinen, kann ich nicht erkennen. Ein modular aufgebauter Lehr- und Ausbildungsplan würde den Bedarf an qualifizierten Pflegekräften wesentlich verbessern. Einen Bedarf an zusätzlicher Ausbildung in administrativen und hauswirtschaftlichen Bereichen halte ich nach 28-jähriger Berufserfahrung in der Tätigkeit als Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger für nicht erforderlich. Die Tatsache, eine Pflegeausbildung bereits nach der 9. Schulstufe zu beginnen ist der falsche Schritt, um die physischen und psychischen Belastungen in diesem Pflegeberuf verkraften zu können. Der zunehmende Anstieg von psychischen Erkrankungen (Depressionen, Burn-Out) wird durch zahlreiche Untersuchungen belegt. Als Vorsitzender der Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe in Vorarlberg liegt mir eine wohlüberlegte Reformierung der Ausbildung in den Pflegeberufen am Herzen und sollte deshalb nicht im Alleingang entschieden werden. Hier geht es um Rechte von Patienten, um Menschen und nicht um Produkte der Industrie.  Vorarlberg hat in vielen Dingen eine Vorreiterrolle gespielt, welche dann bundesweit umgesetzt wurden. In diesem Falle sollte es aber keine Nachahmer geben. Für Landeshauptmann Sausgruber ist dies nach eigener Aussage egal, ob diese Ausbildung in ein Schema passt oder nicht.  Offensichtlich ist ihm die Meinung der Interessensvertreter in den Pflegeberufen auch „Wurscht“. Der zukünftige Landeshauptmann wird hoffentlich die Vorzüge einer Sozialpartnerschaft in diesem Bereich zu schätzen wissen. 

 

Karl Preterebner

Karl Preterebner
Karl Preterebner

Bundessekretär der ÖGB/ARGE-FGV für Gesundheits- und Sozialberufe
Gesund & Sozial-Chefredakteur